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Die Nichtmachbarkeit von Konstruktionen von vornherein erkennen und vermeiden (Raimund Probst)
Am Bau gibt es eine ganze Fülle von Möglichkeiten für Wasser, Schäden anzu- richten. Dem Zweck, eindringendes Wasser zu verhindern sollen u.a. unterschiedlichste Werkstoffe dienen (bspw. spritzbare Dichtstoffe oder Kompri- bänder). Sie sollen ein Eindringen in Fugen zwischen Glas und Fensterrahmen, zwischen Fensterblendrahmen und Fassade, zwischen WDVS und Fenster- bank, etc. pp., verhindern. Sehr häufig werden die spezifischen Anforderungen dabei mißachtet. Für spritzbare Fugendichtstoffe bspw. müssen die Fugenflanken sauber, tro- cken und haftfähig sein. Denn die Wirksamkeit des Dichtstoffs hängt ganz entscheidend von der hundertprozentigen Anhaftung („Klebung“, Adhäsion) an den Flanken ab. Auch das Gesamtdehnungsvermögen des Dichtstoffes darf, durch Bewegungen der Fugenflanken, nicht überstrapaziert werden. Dichtstoffe reißen sonst auseinander oder lösen sich von den Flanken. Jede Dichtigkeit ist dann sofort passé. Aber auch das erforderliche Breiten-/Tiefenverhältnis der Fuge selbst wird oft mißachtet. Tiefe aber schmale Fugen sind dabei genau so ungünstig wie breite aber nur wenig tiefe. Und die Querschnittsgeometrie wird sehr häufig außer Acht gelassen. Die Fugenflanken müssen zueinander parallel liegen und es muß ein Rechteckquerschnitt vorliegen. Dreiecksfugen (also ein dreieckiger Querschnitt des eingespritzten Dichtstoffs) sind grundsätzlich falsch, weil schadensgeneigt. Risse des Dichtstoffs selbst können die Folge sein. Das Gesamtdehnungsvermögen spritzbarer Dichtstoffe wird oft falsch einge- schätzt. Es beträgt i.d.R. max. 25 %. Ist die Fugenbreite also bspw. 4 mm, so darf sich die Fuge max. 1 mm ausdehnen oder zusammenziehen. Wird die Fuge hingegen 10 mm breit ausgeführt, so kann die max. Änderung 2,5 mm betragen. An den 25 % ändert sich nichts. Konsequenz: Fugenbreiten muß man planen (wie so ziemlich alles am Bau). Die max. Fugenänderungen müssen vorgegeben werden. Bei vorkomprimierten Fugendichtbändern („Kompribändern“), die bei WDVS häufig eingesetzt werden gibt es ebenfalls eine ganze Reihe zu beachten. Zunächst die Dimensionen: Nehmen wir als Beispiel ein Kompriband mit den Dimensionen 15/3-9. Was bedeutet das? Das Kompriband ist 15 mm breit und für Fugenhöhen von 3-9 mm schlagregendicht. Geht man also von 6 mm Soll- höhe der Fuge aus (z.B. Abstand der Dämmplatte zur Fensterbank oder zum Bordprofil), dann bestehen 3 mm Platz in beide Richtungen. Um diese 3 mm darf die Fugenhöhe sich verändern (im Betriebszustand), dann ist sie immer noch schlagregendicht. Dadurch wird aber auch klar, daß Fugenbreiten geplant werden müssen und erst daraufhin die Kompribänder ausgewählt werden kön- nen. Sehr häufig mißachtet wird die Anforderung, daß die Fugenflanken für Kompri- bänder keine Unterbrechungen oder Versprünge aufweisen dürfen, die Flanken selbst müssen zueinander parallel verlaufen und ausreichend verformungsbe- ständig sein. Dünne Leibungsbleche bspw. können sich durch aufgehende Kompribänder durchaus verformen, was schon mal optisch nicht so toll aus- sieht. Aber auch die Schlagregendichtigkeit wird dadurch schnell ausgehebelt (wenn die Fugenhöhe die Banddaten übersteigt, im obigen Beispiel also über 9 mm beträgt). Kompribänder können immer nur zusammen mit der Dämmplatte eingebaut werden. Oft ist zu beobachten, daß sie nachträglich „eingepfriemelt“ werden. Dabei werden sie oft verdreht und beschädigt (durch Spachteln, Klingen, Mes- ser, etc.). Beide Varianten führen zur sofortigen Wirkungslosigkeit gegen Schlagregen. Kompribänder haben nur Sinn, wenn sie schlagregendichte Fugen ergeben. Dies wird in allen Zulassungen von WDV-Systemen gefordert. Luft- und Wind- dichtigkeit erbringen Kompribänder hingegen nicht, wie WDVS generell nicht. Für bestimmte „entkoppelnde“ Anschlußvarianten (z.B. Putzabschlußprofil samt mit der Putzschale bündigem Kompriband) müssen die Fugenhöhen mind. 10 mm betragen, damit man das Band nachträglich überhaupt noch in die Fugen einfügen kann. Auf gekühlte Lagerung der Bänder bis zum Einbau (z.B. in einer Kühlbox im Sommer) sollte geachtet werden, damit sie nicht zu schnell aufgehen. Sie sind ja „vorkomprimiert“ (auf der Rolle im Anlieferzustand), werden sie abgerollt, beginnen die Bänder mehr oder weniger schnell zu „entkomprimieren“. Grundsätzlich außer Acht lassen darf man auch nicht, ob die Bänder für die Bewitterung geeignet sind. Sollen Kompribänder sichtbar bleiben, müssen sie witterungsbeständig sein. Es gibt auch noch andere. Und last but not least darf man nie vergessen, daß vorkomprimierte Dichtbän- der nach dem Einbau grundsätzlich zur Verkürzung neigen! Deshalb schreiben die Hersteller eine Längenzugabe von 1-2 cm/m vor. Solche Verkürzungen kön- nen sich an Ecken auswirken. Plötzlich tun sich dort offene Spalten von mehreren mm auf. Die Dichtwirkung des Kompribandes ist vorbei. Das kann zu ganz enormen Schäden führen. Die Verarbeiter müssen von solchen Dingen wissen! Aber wer liest schon Tech- nische Merkblätter und Verarbeitungsanleitungen …

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Noch ganz dicht?

(21.02.20)